Schutz vor Schädlingen im Weinberg und der Seele
Es ist wieder soweit – die Weinreben blühen, die Luft ist schwanger mit Blütenstaub, es duftet und leuchtet weiß und selbst in den langen Sommernächten schimmern die Weinberge in ihrer Pracht im Mondlicht. Dies ist unser Lieblingsmonat im Weingut, trotz Pollenallergie und richtig viel Arbeit.
Denn jetzt geht es richtig rund! Der Countdown hat begonnen, denn ab Blütebeginn bleiben noch genau 100 Tage bis zur Ernte. Dieses Jahr 2026 blieb uns die Zitterpartie erspart – durch den kalten Frühling haben die Knospen sich nicht zu früh entfaltet und sind unbeschadet durch die Spätfröste und die “Kalte Sophie” Anfang Mai gekommen, die uns dieses Jahr ja wirklich noch mal eiskalt erwischt hat. Doch die Knospen haben noch ihre Wollmäntel angehabt und konnten so mit erhobenem Kinn dem Wetter trotzen.
Nun ist es warm & hell, herrlich! Wir arbeiten mit Mensch & Maschine im Weinberg, stecken die Laubwände hoch und ja, beginnen auch schon punktuell und vorsichtig mit der ersten Bekämpfung von Schädlingen, insbesondere dem Mehltau, unserem Erzfeind. Dazu mal ein paar Hintergrundinformationen:
Gern wird in den Medien gesagt, dass wir Landwirte ohne Rücksicht auf Verluste die Felder mit Gift besprühen, um maximale Erträge zu erhalten. Wir müssen gestehen, da schwillt uns der Kamm. Denn auch wir sind durchaus in der Lage, bis übermorgen zu denken, mehr noch, als Winzer planen wir weit über die Zeithorizonte hinaus, die Unternehmen in der Regel im Blick haben – zwanzig Jahre sind normal, dreißig bis vierzig absolut angemessen.
Und wie kurzsichtig muss man sein, wenn man nicht versteht, dass der Kreislauf der Natur nicht ohne Folgen zerstört werden kann? Es ist in unserem Interesse, so sensibel und nachhaltig wie möglich zu arbeiten. Deshalb haben wir u.a. als eins der ersten drei Unternehmen weltweit den Cabernet blanc ausgebaut, einen pilzwiderstandsfähigen Wein, der uns jedes Jahr aufs neue begeistert. Des Weitern sind wir seit über 20 Jahren kontrolliert umweltschonend zertifiziert (KUW Pfalz e.V.).

Nichtsdestotrotz bringen auch wir Pflanzenschutzmittel aus, wobei wir uns an die strengen deutschen Gesetze halten, die international den höchsten Standarddarstellen. Tatsächlich sind die deutschen Schutzmittel absolut zukunftsweisend für den Rest der Welt, da sie eine minimale Belastung darstellen.
Folgende Bedingungen herrschen:
• Die Mittel müssen offiziell zugelassen sein. Diese Liste ändert sich ständig, daher legen wir keine Vorräte mehr an. Denn auch die Reste müssen innerhalb von streng vorgegeben Fristen aufgebraucht werden.
• Es dürfen nur genau festgelegte Mengen pro Hektar verteilt werden. Hier ein Beispiel: Wenn die Vorgabe lautet: Nur 2,1kg Wirkstoff pro Hektar, bedeutet dies umgerechnet (für alle, die nicht regelmäßig in Hektar denken ;-)): 0,21 Gramm pro Quadratmeter. Je nach Dichte des Materials passen auf einen gehäuften Esslöffel ca. 15 bis 20 Gramm, d.h. wir liegen pro Esslöffel bei knapp 100qm.
Teilweise gelten auch nicht die Hektarflächen als Basisbezug, sondern die sogenannten “Laubwandflächen”, sprich die vertikale Fläche vom Fuß der Rebe bis zum Wipfel. Zusätzlich wird vorgeschrieben, wieviel Wasser zusammen mit dem Mittel ausgebracht werden muss. Es ist also eine echte Recherche- und Rechenarbeit!
• Es gibt Schutzfristen. So ist für jedes Mittel genau festgelegt, wieviele Tage vor der Ernte wir dieses Pflanzenschutzmittel noch maximal ausbringen dürfen. Die Details dafür sind in einer Online-Datenbank vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aufgelistet. Diese Datenbank gehört zu unseren wichtigsten Lesezeichen im Browser, weil wir immer wieder gegenprüfen müssen, was wann erlaubt ist.
• Die Ausbringung der Mittel muss umgehend in großer Detailtiefe dokumentiert werden.
Dazu gehört:
- das Datum
- die Fläche
- die Georeferenzierung (Flächenidentifikationsnummer oder GPS-Punkt)
- die Kultur (sprich welche Pflanze/Rebsorte)
- das Entwicklungsstadium
- das Mittel an sich
- die Zulassungsnummer des Mittels
- die ausgebrachte Menge
- die Wassermenge
- der Name der ausbringenden Person
- das Anwendungsgerät (sprich welche Maschine wurde verwendet)
- der Grund für die Anwendung
- die Wetterbedingungen (z.B. Nieselregen, 13 Grad, Windstärke 3).
Ab 2027 darf dies übrigens nicht mehr manuell geschehen, sondern muss elektronisch erfolgen. Die Daten müssen bei Prüfungen für die letzten drei Jahre bereitgestellt werden.
• In der Nähe von Schutzgebieten darf grundsätzlich kein Pflanzenschutz ausgebracht werden. Das zumindest ist einfach zu verstehen und umzusetzen.
Ihr seht also, alleine schon der bürokratische Aufwand (ganz abgesehen von den Kosten) sorgt dafür, dass auch wir am liebsten auf Pflanzenschutzmittel verzichten.
Viel lieber kümmern wir uns um die Herzensaufgaben! Dazu gehört natürlich auch das Abfüllen der Weine aus den großen Fässern in die Flaschen. Im Moment stehen einige Weine auf der Liste, weil der Schoppen-Riesling, der Grauburgunder und der Merlot schon wieder fast ausgetrunken sind und wir schnell für Nachschub sorgen müssen.
Und genauso, wie wir die Weinberge vor Schädlingen schützen, müssen wir auch unsere Seelen vor Erschöpfung schützen. Denn nicht nur die Bürokratie kostet Kraft – aktuell spüren alle, dass wir in gesellschaftlich angespannten Zeiten leben (oder geht es euch nicht so?).
Unsere Antwort auf Seelenschädlinge (wir haben zwei):
1. Kommt in unseren Gutsausschank. Setzt euch in den Garten mit einzigartigem Panoramablick, genießt ein gutes Gläschen Wein, genießt die liebevoll zubereitete philippinisch-pfälzer-kanadischen Gerichte von Kristine’s Lamesa Catering, plaudert mit den Menschen um euch, saugt die Sonnenstrahlen auf, beobachtet die Eidechse, die sich neben euch auf den Steinen sonnt und lächelt über die Hummel, die geschäftig an euch vorbeisaust. Seid langsam. Seid ganz hier. Genuss hilft!
2. Kommt in den Pfälzerwald. Das SchweizerHaus ist nur eine kleine Wanderung entfernt. Zusätzlich haben wir einen neuen Tipp für euch: Drei Menschen haben ein Programm entwickelt, das darauf ausgerichtet ist, eure Seelen mit Wellness zu entspannen: Sabrina (Waldbaden), Judith (Psychotherapeutin), Joachim (Schamane).
Atmet tief durch. Genießt den Duft der Blüten mit einem guten Gläschen Wein. Und achtet auf Euch!
Eure zwischen Pflanzenschutz & Seelenschutz pendelnden Grafen
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