Mikroklima – oder warum Weyher der Weinhimmel auf Erden ist
Es gibt Ecken in Deutschland, da regnet es ständig. Na gut, das ist übertrieben. Aber wenn es überhaupt im Umland regnet, dann garantiert dort. Und manchmal sieht man das sogar (besonders schön auf einer Landstraße): Wie mit einer Schnur gezogen ist der Teil der Straße hinter einem klatschnass, und der Teil der Straße, der noch kommt, pulvertrocken. Da blickt man erstaunt in den Himmel und fragt sich, wer hier die Wolken abgeschnitten hat. Jedenfalls wenn man neu in der Gegend ist. Wer schon länger dort wohnt, zuckt mit den Schultern und sagt, dass es an dieser Stelle ganz oft so ist.
Früher haben die Menschen die natürlichen Gegebenheiten genau beobachtet und sich dann angepasst: Es ist kein Zufall, dass Städte häufig an Flussufern gegründet wurden und Burgen auf schwer erstürmbaren Gipfeln. Heute achten wir viel weniger auf die natürlichen Begebenheiten und die Wechselwirkungen, die durch unsere baulichen Maßnahmen entstehen – oft mit unschönen Folgen. Wer sich schon einmal an einem Wintertag in New York durch den eisigen Wind gekämpft hat, der durch die hohen Häuserschluchten fegt, weiß, was wir meinen!
Aber heute wollen wir von einer ausgesprochen klugen Entscheidung sprechen, die allerdings schon vor ein paar Jahrhunderten getroffen wurde: Da kam jemand nach Weyher, schaute sich um, und stellte fest, dass es kaum ein idealeres Fleckchen Erde für den Weinanbau gibt. Warum?
• BERGE - Weil direkt in der Nähe die Berge sind, die durch das abfließende Grundwasser selbst in trockenen Zeiten eine stabile Grundwasserversorgung garantieren – die unsere Weinreben mit ihren ellenlangen Wurzeln problemlos erreichen können.
• BÖDEN - Weil die vielfältigen Bodenarten wie Granit, Schiefer, Buntsandstein und Kalkmergel bei den verschiedensten Witterungen groß rauskommen. Es gibt also nie einen Totalausfall der Ernte, denn während Granit & Schiefer wenig Wasser halten und daher auch bei verregneten Sommern liefern, sind Buntsandstein und Kalkmergel Garanten für eine ergiebige Ernte, ganz egal, wie knochentrocken die Saison ist.
• WALD – Weil der Pfälzer Wald in unmittelbarer Nähe einen regulierenden und schützenden Einfluss hat. Hitze und Winde werden abgepuffert, nützliche Insekten finden Unterschlupf.
• THERMIK – Weil durch die hohe Lage am Hang eine Thermik entsteht, die uns wohltuenden Regen liefert, während die Regenwolken ein paar Kilometer weiter höhnisch lachend über den dürren Boden hinsegeln, ohne einen Tropfen abzugeben.
All dies zusammen ist einzigartig. Und all dies zusammen ist der Grund, warum Weyher in der Weinwelt als “große Lage” bekannt ist, sprich als ein Gebiet, in dem über Jahre zuverlässig die besten Weine gekeltert werden. Das haben unsere Vorfahren richtig gut gemacht! Man spricht übrigens in diesem Zusammenhang von einem “Mikroklima” … denn wie gesagt, ein paar Kilometer weiter sieht die Welt ganz anders aus!
Foto: Frostbekämpfung mit Ölkerzen in Bordeaux Frankreich
In Zeiten der Klimaveränderung ist ein gutes Mikroklima nicht mit Gold aufzuwiegen. Denn während andere Gegenden – wie zum Beispiel der Burgund und die Champagne in Frankreich -- seit mittlerweile gut zehn Jahren mit Spätfrösten kämpfen und auch dieses Jahr wieder die Weinberge mit Ölkerzen beheizen müssen (wir sprachen schon einmal davon), mussten wir in Weyher bisher nicht auf solche extremen Maßnahmen zurückgreifen.
Natürlich spüren wir auch hier bei uns die Kapriolen des Klimawandels. Doch wahre Extreme, die zu einem kompletten Ernteausfall führen, haben wir das letzte Mal in den 1970-ern erlebt, als die gesamte Pfalz erfroren ist. Unser Mikroklima, das für gemäßigte und konstante Anbaubedingungen sorgt, ist daher ein riesiger Vorteil, für den wir zutiefst dankbar sind. Nicht jeder hatte so kluge Vorfahren.
À propos Klima: Wir haben tatsächlich einen persönlichen “Wetterfrosch” im Dorf. Günter ist um die 90 Jahre alt und leidenschaftlicher Gärtner sowie Kakteen-Züchter (die in unserem Mikroklima wundersamerweise auch sehr gut gedeihen!).
Foto: Günter beim Interview in seinem Garten zwischen den Kakteen. Fotografie by Richard Zinken.
Wenn wir wissen möchten, wie das Wetter wird, laden wir Günter auf eine Riesling-Schorle ein und fragen ihn. Er erzählte uns zum Beispiel kürzlich, dass es eine alte Bauernregel gibt:
Wie jeder weiß, richten sich die kirchlichen Feiertage nach dem Mondzyklus. Dass die Mondphasen die Natur beeinflussen, ist hinlänglich bekannt. Dass jedoch die Windrichtung an Karfreitag uns vorhersagen lässt, wie der Sommer wird … das hat uns Günter mit einem Augenzwinkern verraten! Hier die Auflösung:
• bei Nordwind erwartet uns ein kühler, nasser Sommer mit klarer Sicht
• bei Südwestwind, auch Saharawind genannt, erwartet uns ein heißer, trockener Sommer mit viel (rötlichem) Staub
• bei Ostwind kommt eine trockene, kontinentale Luftmasse, die klare Himmel, kühle Nächte und trockene Sommer bringt
• bei Westwind, der vom Ozean kommt, wird der Sommer wechselhaft, feucht & mild.
So. Jetzt brauchen wir die Tagesschau nicht mehr.
Voller Spannung fragt Ihr uns nun natürlich, aus welcher Richtung der Wind hier in unserem Mikroklima in Weyher an diesem Karfreitag 2026 blies. Dieses Jahr kam er tagsüber aus östlicher Richtung, drehte aber am Abend (gegen 19 Uhr) auf Südwest. Was sagt uns das?
Versuchen wir uns auf dieser Basis als Wetterfrosch: Wir erwarten einen gemäßigten Sommer 2026 mit etwas Niederschlag (durchwachsen), aber da die Winde mit Heiß- und Kaltluft aufeinanderprallen, wird die Thermik über dem Pfälzer Wald tanzen und es wird ab und zu knallen, sprich wir erwarten ein gewitterreiches Jahr.
Am besten, wir fangen mal an, die Donner zu zählen. Dann können wir euch eine Statistik liefern und euch so beweisen, wie hoch unsere Wetterfrosch-Kompetenz ist.
Eure mikroklimatischen Grafen

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