Märchen & Wahrheit
Es gibt urbane Legenden, die sich in den Köpfen festsetzen und einfach nicht ausrottbar sind. So hieß es z.B. jahrzehntelang, dass Spinat besonders viel Eisen enthalte und deshalb wahnsinnig gesund sei. Irgendwann stellte sich heraus, dass diese Aussage auf einen Dezimalfehler in den 30er Jahren zurückgeht und dass Spinat gar nicht so vor Eisen strotzt, wie die muskelbepackte Comicfigur Popeye uns seit Jahrzehnten vorgaukelt … aber die Information sitzt fest in unserem kollektiven Bewusstsein, und wer sich eine Spinatpizza bestellt, wird sicherlich nach wie vor überzeugt sein, dass das viel gesünder sei als eine andere Pizza (auf manche Märchen verzichten wir eben nicht so gern ;-) ).
Mit Glyphosat ist das ganz genauso: Jahrzehntelang hieß es, dass die Bauern den schädlichen Stoff über ihre Pflanzenschutzmittel ins Wasser schwemmen und somit für die Verunreinigung des Grundwassers verantwortlich seien. Bis eine Forscherin aus Tübingen feststellte, dass die Werte in den Klärgruben nicht dann ausschlugen, wenn die Landwirte ihre Felder sprühten – die Korrelation war einfach nicht gegeben. Also blickte sie tiefer hinter die Kulissen, und stellte Erstaunliches fest: Nicht die Landwirte sorgen für die erhöhten Glyphosat-Werte, nein, es sind die Waschmittel, die Wasserenthärter enthalten. Speziell das Phosphonat DTPMP verwandelt sich bei Kontakt mit dem Element Mangan in Glyphosat – und genau dieser Kontakt findet häufig in Kläranlagen statt.
Wer tiefer einsteigen möchte, folge diesem Link.
Nun sind wir also schlauer. Wir fragen uns nur, wie lange es dauert, bis die Allgemeinheit das auch weiß und akzeptiert. In der Zwischenzeit können wir es nur weitersagen und allen empfehlen, beim Waschmittel auf das Kleingedruckte zu achten, denn DTPMP wird in aller Regel bei den Inhaltsstoffen gelistet. Wir im Weingut verwenden übrigens nur Haka Waschmittel, die für ihre Nachhaltigkeit zertifiziert sind, und können es nur empfehlen. (Und nein, wir bekommen kein Geld für diese Werbung, wir finden die Produkte einfach nur gut.)
Aber mal ein ganz anderes Thema: Gerade ist uns aufgefallen, dass wir schon lange nicht mehr über das Wetter geredet haben. Wie konnte das geschehen? ;-)
Es war ein Winter, über den wir früher kein Wort verloren hätten, der jedoch in Zeiten des Klimawandels selten geworden ist. Viel Frost und Schnee haben uns zugefrorene Flüsse und Weiler gebracht, sodass man glatt die fast schon vergessenen Schlittschuhe wieder hervorholen konnte. Jetzt, wo es taut und weiterhin viel regnet, sind alle unsere Wasserressourcen aufgefüllt, der Boden ist vollgesogen wie ein Schwamm und satt. Wenn wir über die Weinberge gehen und der Boden unter unseren Füßen quatscht, spielt ein Lächeln um unsere Lippen, denn diese Feuchtigkeit braucht die Natur, brauchen wir.
In den Weinbergen waren wir auch bei Frost fleißig. Der Rebschnitt ist beendet
mehr dazu hier: Gut geschnitten ist halb geerntet
das alte Holz wurde entfernt (siehe Foto), klein gehäckselt und im Weinberg untergemulcht. Damit gehen die Nährstoffe zurück in den natürlichen Kreislauf.
Unser nächster Schritt steht jetzt an:
Und dann heißt es: Warten.

Foto: Vor dem Rebschnitt

Foto: Nach dem Rebschnitt
Wenige Tage Wärme und Sonne reichen, um unsere Reben zu explosionsartiger Entwicklung zu bringen. Für uns ist der Frühling, die Neugeburt jedes Lebens, jedes Jahr aufs Neue ein Wunder, egal, wie oft es schon erlebt haben. Freuen wir uns gemeinsam darauf!
Eure frühlingshungrigen Grafen
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