Weinwissen
Von dem bewegten Leben unserer Oma Rosa Maria haben wir dir schon einmal hier erzählt. Trotz ihrer mittlerweile stolzen neunzig Jahre nimmt sie immer noch regen Anteil an der Ernte. Doch da sie nicht mehr so gut laufen kann, drehen wir den Spieß mittlerweile um – nicht die Oma geht in den Weinberg, sondern der Weinberg geht zur Oma. Natürlich nicht in Gänze ;-)!
Statt dessen pflücken...
Wir schreiben den 25. August 2026, es ist 06.15 Uhr, und unsere Ernte des Weinjahrgangs 2026 hat soeben begonnen. Dies ist die früheste Ernte seit den Ursprüngen unseres Weinguts (1788) überhaupt. Wer sagt, dass es den Klimawandel nicht gibt, hat offensichtlich nichts mit der Natur zu tun, sondern sitzt nur im Büro oder verschließt wild entschlossen die Augen, wenn er doch mal vor die Tür muss.
ABER...
Es ist wieder soweit – die Weinreben blühen, die Luft ist schwanger mit Blütenstaub, es duftet und leuchtet weiß und selbst in den langen Sommernächten schimmern die Weinberge in ihrer Pracht im Mondlicht. Dies ist unser Lieblingsmonat im Weingut, trotz Pollenallergie und richtig viel Arbeit.
Denn jetzt geht es richtig rund! Der Countdown hat begonnen, denn ab Blütebeginn bleiben noch genau 100 Tage bis zur Ernte. Dieses Jahr 2026 blieb uns die Zitterpartie erspart – durch den kalten Frühling haben die Knospen sich nicht zu früh entfaltet und sind unbeschadet durch die Spätfröste und die “Kalte Sophie” Anfang Mai gekommen, die uns dieses Jahr ja wirklich noch mal eiskalt erwischt hat. Doch die Knospen haben noch ihre Wollmäntel angehabt und konnten so mit erhobenem Kinn dem Wetter trotzen.
Nun ist es warm & hell, herrlich! Wir arbeiten mit Mensch & Maschine im Weinberg, stecken die Laubwände hoch und ja, beginnen auch schon punktuell und vorsichtig mit der ersten Bekämpfung von Schädlingen, insbesondere dem Mehltau, unserem Erzfeind. Dazu mal ein paar Hintergrundinformationen:
Einer der beliebtesten Weine der Welt wuchs ursprünglich wild und unkultiviert im Südwesten Frankreichs bzw. dem Loire Tal – und so kam er zu seinem Namen – denn „sauvage“ heißt „wild“ auf Französisch.
Unsere persönliche Geschichte mit dem „wilden Weißen“ begann mit dem Jahrgang 2012 … denn zu diesem Zeitpunkt kauften wir die Weinberge eines anderen Weingutes hier in Weyher auf und kamen so wie die Jungfrau zum Kinde zum Sauvignon blanc. Das war schon eine spannende Sache, denn den Riesling kennen wir ja seit 1788, doch der Sauvignon blanc war komplett neues Terrain für uns. Wie sollten wir also mit diesem neuen und unbekannten Baby am besten umgehen?
Es gibt Ecken in Deutschland, da regnet es ständig. Na gut, das ist übertrieben. Aber wenn es überhaupt im Umland regnet, dann garantiert dort. Und manchmal sieht man das sogar (besonders schön auf einer Landstraße): Wie mit einer Schnur gezogen ist der Teil der Straße hinter einem klatschnass, und der Teil der Straße, der noch kommt, pulvertrocken. Da blickt man erstaunt in den Himmel und fragt sich, wer hier die Wolken abgeschnitten hat. Jedenfalls wenn man neu in der Gegend ist. Wer schon länger dort wohnt, zuckt mit den Schultern und sagt, dass es an dieser Stelle ganz oft so ist.
Früher haben die Menschen die natürlichen Gegebenheiten genau beobachtet und sich dann angepasst: