Zwischen Schneeflocken und Freihandelsabkommen
Damit hat niemand mehr gerechnet: Ein eiskalter, langanhaltender Frost mit viel Schnee zum Jahresanfang! Die Kinder im Dorf rodeln von Weyher über die sanft geschwungenen Hügel gleich bis ins nächste Dorf – und wir kommen mit unserem Auto, das nur Heckantrieb hat, nur noch rückwärts die Borngasse hoch. Doch für uns Landwirte gibt es auch bei Schneebergen immer noch eine Lösung: Dann fahren wir halt mit dem Traktor zum Einkaufen. Ein wenig langsam, ein wenig umständlich, aber wir kommen zum Ziel – und darauf kommt es schließlich an!
Zum neuen Jahr wünschen wir euch allen, dass auch ihr ans Ziel kommt, sei es nun Trekker-langsam oder rodel-schnell, das ist egal! Wir freuen uns über das kalte Wetter, denn damit haben wir schon einmal ein Ziel für das neue Jahre erreicht: Weniger Pflanzenschutzmittel. Lang anhaltender Frost sorgt dafür, dass die Schädlinge sich nicht zu stark ausbreiten, während ein milder Winter die Basis dafür legt, dass im Herbst ein Ansturm auf unsere Träubchen beginnt. So greift die Natur uns unter die Arme, und dafür sind wir dankbar – auch wenn wir beim winterlichen Rebschnitt teilweise ganz schön frieren!
Für uns ist im Keller jetzt Hochsaison: die neue Jahrgänge werden „abgestochen“.
mehr zu diesem mörderische Geschehen findet ihr hier
Die gräfische Jahreszeitenuhr ist klar durchgetaktet: Bis spätestens Ende Februar soll der neue Jahrgang auf der Flasche sein.
Ein Teil ist schon geschafft und bereits neu abgefüllt: Unser Muskateller, der Grauburgunder, und der beliebte Portugieser Weißherbst stehen für euch bereit! Wer den sensationellen Jahrgang 2025 probieren möchte, sollte jetzt zuschlagen. Wir sind mehr als begeistert von der diesjährigen Qualität - die Natur hat uns 2025 wirklich verwöhnt.

Aber auch unsere Traubensäfte haben jetzt im „dry January“ Hochkonjunktur. Der rote Traubensaft ist dieses Jahr besonders begehrt, vom Jahrgang 2025 sind nur noch ein paar Flaschen übrig. Da er komplett „kalt steril“ gefertigt wird (so ein furchtbarer Name!), hat er sensationelle, sehr fruchtige Aromen. Wer bisher nur Traubensaft aus dem Supermarkt kennt, sollte sich unbedingt ein Traubensaftpaket sichern.
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In unserer kleinen Welt läuft also alles gut, anders als im großen Weltgeschehen. Besonders bewegt uns das EU-Mercosur Abkommen. Es soll jetzt nach über 25 Jahren Verhandlungen die weltweit größte Freihandelszone schaffen. Zum Mercosur-Block gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. In diese Länder möchte die EU zu günstigeren Zöllen als bisher Maschinen, Autos und auch Wein exportieren und so die deutsche Wirtschaft stärken, die unter den weltweiten wilden Entwicklungen leidet (wir sprachen schon einmal davon). Im Gegenzug sollen u.a. südamerikanisches Rindfleisch, Geflügel, Zucker, Ethanol und Wein eingeführt werden.

Das Problem dabei? Die südamerikanischen Produkte werden unter viel niedrigeren Umwelt-, Tierwohl und Sozialstandards produziert. Wir verstehen durchaus, dass die EU-Bauern da im wahrsten Sinne des Wortes in Berlin und Brüssel auf die Barrikaden gehen – obwohl die Presse für uns unverständlicherweise kaum davon berichtet. (Nur mal am Rande: Nicht nur in der Landwirtschaft, auch im Handel haben z.B. die chinesischen Importeure Temu und Schein echte Vorteile: Sie verkaufen ihre Produkte, die keinerlei EU-Standards entsprechen - günstig und in Millionenhöhe.)
Insgesamt klingt es wie eine Farce, dass wir als Hersteller innerhalb der EU strengste Gesetze unter stark belastenden bürokratischen Vorgaben einhalten müssen und gleichzeitig Importeuren erlauben, ihre Produkte, die keinerlei Vorgaben erfüllen müssen, lokal günstig zu verkaufen. Häufig wissen die Endverbraucher gar nicht, was sie da zu einem Spottpreis in den Händen halten.
Die Konsequenz: Die europäische Landwirtschaft gibt auf. Denn auch wir müssen leben, und zu diesen Bedingungen sind wir nicht mehr konkurrenzfähig.
Dass dies auf die Dauer zu hoher Abhängigkeit führt, ist allen klar … nur der Politik irgendwie nicht. Versteht uns nicht falsch: Auch wir finden, dass die Natur geschützt sein muss. Auch wir finden, dass ethische Grundsätze einzuhalten sind. Doch dazu gehört unserer Meinung nach auch die konsequente Einhaltung des gleichen Standards für alle Marktteilnehmer. Ist es nicht seltsam, dass diese so logische Konsequenz der Ungleichbehandlung nicht gesehen wird?
Eure tief in Gedanken und Schnee versunkenen Grafen
Wahre Worte! Und ein Bild von Sylt!
Beste Grüße
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