Weinwissen
Es tut sich was im Weinberg! Zu dieser Jahreszeit können wir förmlich dabei zusehen, wie Saft in die trockenen Weinstöcke schießt. Die ersten neuen Triebe und Augen schauen schüchtern ins Licht und räkeln sich in den ersten Sonnenstrahlen. Noch ist jedes Auge von einem kleinen Mäntelchen geschützt, das aus ganz dünnen Fasern besteht. Es sieht aus wie Wolle und daher sagen wir Winzer, dass die Reben »in der Wolle stehen«.
Mit jedem Grad Wärme und jedem Sonnenstrahl wachsen die Äugelchen, bis sie aus der Wolle herausplatzen. Das ist der Augenblick des Austriebs!
Und das ist auch der Augenblick, in dem wir Winzer eine Tendenz zu nervösen Zuckungen entwickeln, wenn wir auf das Thermometer blicken. Denn ohne Wolle sind die kleinen Augen schutzlos dem Frost ausgeliefert. Bis Anfang Mai besteht Frostgefahr – das ist wie ein jährlicher Krimi. Den Tatort brauchen wir in dieser Zeit nicht – wir kauen schon so vor Spannung an den Fingernägeln...