Der Gaumen unser Oma
Von dem bewegten Leben unserer Oma Rosa Maria haben wir dir schon einmal hier erzählt. Trotz ihrer mittlerweile stolzen neunzig Jahre nimmt sie immer noch regen Anteil an der Ernte. Doch da sie nicht mehr so gut laufen kann, drehen wir den Spieß mittlerweile um – nicht die Oma geht in den Weinberg, sondern der Weinberg geht zur Oma. Natürlich nicht in Gänze ;-)!
Statt dessen pflücken wir regelmäßig die schönsten Träubchen und bringen sie in die Wohnung unserer Oma im ersten Stock direkt im Weingut. Hier oben hat sie alles im Blick, was bei uns geschieht und lässt sich dabei die neuesten Jahrgänge auf der Zunge zergehen. Nach 90 Jahren weiß sie schon beim Genuss der Träubchen, wieviel Potenzial der diesjährige Jahrgang hat. Die Lieblingsträubchen unserer Oma sind übrigens Muskateller, Dornfelder und Scheurebe, denn sie sind die vollmundigsten und aromatischsten, wobei wir gleich beim Thema wären:
Der Unterschied zwischen Weintrauben und Tafeltrauben
Wer nur die Trauben aus dem Supermarkt kennt, wird sich wundern, wenn er das erste Mal ein paar Träubchen aus dem Weinberg snackt: Denn das, was später köstlicher Wein wird, ist frisch gepflückt nicht immer der volle Genuss: Die Haut ist dick und schwer zu kauen, es gibt Kerne in Hülle und Fülle, und die Träubchen an sich sind kleiner und sitzen so dicht gedrängt aneinander, dass sie manchmal kaum zu lösen sind. Außerdem zeichnen sie sich durch ein komplexes Zucker-Säure-Verhältnis aus. Kein Wunder, denn dies sind die klassischen Weintrauben (der Name ist Programm).
Die Tafeltrauben hingegen sind extra für den Genuss bei Tisch gezüchtet worden. Sie sind genetisch weiter entfernt von den Wildrebe als die Weintrauben, sitzen lockerer, sind größer, haben eine zarte Haut (die nur wenig Aroma liefert) und wenig bis gar keine Kerne. Für guten Wein sind sie jedoch nicht wirklich zu gebrauchen, daher bauen wir sie nicht an.
Damit unsere Gäste (und die Oma) nicht zu lange auf der Schale kauen müssen, haben wir jedoch in unserem Winzergarten eine kleine Ausnahme. Hier stehen tatsächlich (man höre und staune) immerhin zwei Weinstöcke mit Tafeltrauben – als natürliche Snackbar, wenn man so will. Der Ertrag ist begrenzt, und wer immer daran vorbeigeht, darf sich ein paar Träubchen pflücken.
Übrigens dürfen auch unsere Erntehelfer, die sich gerade zu zehnt systematisch durch die Weinberge arbeiten, jederzeit Weintrauben snacken. Denn wir finden unserer Weinträubchen mit Haut und Haar, Schale und Kern, Stumpf und Stiel einfach köstlich. Die Sonne lacht, und da sind die Träubchen eine willkommene kleine Erfrischung.

Foto: Seniorchef Otmar beim Träubchen snaken (und natürlich Qualitätskontrolle) in den Weinbergen
Es gibt Erntezeiten, da kämpft man sich von Kopf bis Fuß klebend durch den Matsch, muss alle Träubchen einzeln auf Mehltau prüfen und fragt sich grummelig, ob man wirklich den richtigen Beruf gewählt hat. Und es gibt Erntezeiten, da pfeift man ein flottes Liedchen, umgeben von einem lauen Lüftchen und schmeichelndem Sonnenschein und weiß, dass es keinen schöneren Beruf gibt.
Dieses Jahr ist genau so ein Traumjahr. Der Trester (der gepresste Fruchtrest), der schon wieder als natürliches Düngemittel in die Weinberge zurückgekehrt ist, duftet verführerisch aromatisch, das Farbspiel der langsam sich verfärbenden Blätter verzaubert uns jedes Jahr aufs neue, und wenn wir abends gegen 23 Uhr beim letzten Spaziergang mit Yoko, unserer Terrier-Hündin durch die schlafenden Weinberge gehen, begegnen uns Wildschweine, Füchse und – bei genauem Hinsehen – auch immer mehr Gottesanbeterinnen. Das sind diese dünnen, grünen Insekten mit den langen Armen, die sie wie zum Gebet falten können. Wer in der Stadt lebt, kennt sie vielleicht nur aus dem Film Kung Fu Panda. Ansonsten sind dieses Jahr wenige Insekten unterwegs – vermutlich sind die Gründe in dem harten Winter und heißen Sommer zu finden.
Vor allem ist es dieses Jahr entspannt: Wir haben genug Zeit, die Ernte ist heute (06.09.2026) schon zur Hälfte unter Dach und Fach, und es gibt keinen nennenswerten Niederschlag. Das ist für uns sehr angenehm, für die Natur hingegen weniger, die nach Wasser lechzt. Es gibt eine kleine Grotte ein paar hundert Meter hinter unserem Weingut, mitten im Wald. Sie heißt Mariengrotte, und Gläubige zünden an diesem kleinen Wallfahrtsort oft Kerzen an. Aktuell ist die Grotte jedoch gesperrt, weil die Waldbrandgefahr einfach zu groß ist.
Die Erträge sind dieses Jahr sehr unterschiedlich. Während die ursprünglich deutschen Rebsorten wie Silvaner, Dornfelder und Müller-Thurgau sehr konstant und stabil liefern, hat der Sauvignon blanc schon das zweite Jahr in Folge starke Rückgänge zu verzeichnen -- obwohl er eigentlich aus einem trockeneren Klima stammt (Bordeaux): Letztes Jahr gab es einen Rückgang um ca. 30%, dieses Jahr um ca. 50% im Vergleich zum Vorjahr.
Auch der sonst eigentlich so robuste Weißburgunder hat dieses Jahr aus unerfindlichen Gründen unser besonderes Qualitätsmanagement im Weinberg gefordert: ein zweiter Durchgang mit Selektion durch intensive Handarbeit, d.h. dass die Träubchen in schlechter Qualität vor der Ernte von Hand herausgeschnitten werden.
Aber ansonsten waren ganz viele Träubchen in einem perfekten Bilderbuchzustand! Unsere wichtigen Sorten Riesling, Spätburgunder (für den Blanc de noir) und der Cabernet blanc werden erst in den nächsten Tagen geerntet. Hier schleichen wir schon wie die Luchse um die Reben, um den perfekten Zeitpunkt zu erwischen.
Weyherer Weinfest 2026

Wer Winzer kennt, weiß, dass sie absolute Genussmenschen sind. Zu jeder Arbeit gehört Entspannung, gehören Feste, gehört die Leichtigkeit des Seins! Und das feiern wir: In unserem Winzergarten (ab dem 10.09. an sechs Tagen in der Woche geöffnet!) und beim traditionellen Weyherer Weinfest.
Wie jedes Jahr erwarten wir Gäste aus nah und fern, alte Freunde und neue Bekannte. Das ganze Dorf feiert mit, nicht nur die acht ansässigen Winzer: In fast jedem Hof gibt es Kunst & Klamauk, Liveshows, Musikbands, eine große Auswahl an köstlichen Speisen, eine Hüpfburg und natürlich Weine, Weine, und noch mehr leckere Weine … Wer eine kleine Pause zwischendurch braucht, kann sich in den Wald zurückziehen und unter dem grünen, stillen Blätterdach ein Päuschen einlegen.
Wann findet das Weyherer Weinfest 2026 statt?
Von Freitag bis Montag einschließlich, 11. September bis 14. September
• Freitag ab 18.30 Uhr
• Samstag & Sonntag ab ca. 11 Uhr
• Montag ab 18 Uhr
Schluss ist um Mitternacht, da halten wir es wie Cinderella. Nur am Montag wird schon gegen 22 Uhr der Zapfenstreich gespielt (auch Cinderella ist irgendwann müde getanzt).
Unser Tipp: Nutzt die zusätzliche Busverbindung, um ohne Auto unbeschwert genießen zu können.

Sehen wir uns dieses Jahr in Weyher?
Eure entspannt erntenden und fast schon feiernden Grafen
P.S. Noch eine kleine Wasserstandanzeige (äh Weinstandanzeige) zum Schluss:
Unser aktueller Stand zum Jahrgang 2025
• Schon ausgetrunken: – Scheurebe trocken
• Nur noch wenige Fläschchen vorhanden: – Weißherbste (Portugieser Weissherbst mild und trocken), Muskateller, Grauburgunder, Scheurebe mild und Secco weiss
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