Reden wir über Flaschenhälse.

Reden wir über Flaschenhälse.
Liebe Freunde des guten Weins,
wenn ein Winzer das Wort Flaschenhals hört, läuft ihm (oder ihr) eigentlich ein angenehmes Prickeln über den Rücken – ist es doch die Quintessenz des Schönen und Guten, durch das der wunderbare Wein zu uns gelangt.
Doch in den letzten zwölf Monaten hat das Wort Flaschenhals ganz neue Dimensionen angenommen … mit ziemlich konkreten Auswirkungen auf unseren Winzeralltag, denn im Englischen wird das Wort »bottle neck« (Flaschenhals) für Engpässe verwendet. Und davon haben wir aktuell mehr als genug! Wir hatten schon berichtet, dass die Flaschen ein wenig knapp wurden. Das Problem haben wir gelöst (wenn auch die Farbe nicht immer gleich bleibt).
Wenn allerdings so eine elementare Sache wie eine ganz normale Flasche nicht mehr gedankenlos auf Knopfdruck eingekauft werden kann, wird man als Winzer doch ein wenig nervös. Man wirft sich nachts im Bett hin und her und denkt über Dinge nach, die man vor einem Jahr noch für unmöglich hielt.
Was tut also der gewiefte Unternehmer? Er überlegt natürlich, inwiefern es Sinn ergibt, sich Vorräte anzulegen. Genauso spannend wie an der Börse (fällt der Preis oder steigt er?), doch ein wenig unpraktischer, denn Aktienpakete brauchen keine Lagerfläche.
Wir haben hin- und her überlegt und uns dann entschieden, die Flaschen sicherheitshalber mit einer Sammellieferung zu kaufen, anstatt die Lieferungen (wie sonst) über fünf Monate zu strecken. Das klingt theoretisch perfekt und war tatsächlich eine gute Entscheidung. Denn einerseits können wir wieder schlafen und andererseits haben wir die Flaschen mit einem sagenhaften »Schnäppchenpreis« von nur 40% Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr kaufen können (aktuell sind es 80% mehr). Alles richtig gemacht, dachten wir uns.
Bis die Paletten mit den rund 150.000 Flaschen auf einmal auf den Hof rollten. Es heißt ja, dass manche Leute sich in der Flasche verlieren. Wir hatten zeitweilig Sorge, dass wir uns unter den Flaschen verlieren. Aber mit jeder Abfüllung sehen wir wieder ein wenig mehr Land …
Als nächstes hat unser Verschlusslieferant im Oktober 2022 spontan den Standort in Deutschland geschlossen. Damit gibt es nur noch zwei Verschlusslieferanten in Deutschland, die für unseren Bedarf in Frage kommen. Natürlich haben wir uns sofort neue Angebote eingeholt – und trocken geschluckt, als wir die Antwort sahen. Eine Lieferzeit von 9 Monaten hätte effektiv den gesamten Jahresrhythmus (den wir mit nur leichten Abweichungen ja immerhin schon seit 1788 einhalten!) aus der Bahn geworfen.
Also haben wir weiter geschaut, höhere Preise in Kauf genommen und Gott sei Dank eine Alternative gefunden. Diese Alternative kam allerdings auch nicht so schnell wie geplant und darum füllen wir die neuen Weine dieses Jahr deutlich später ab als sonst. Die gute Nachricht: Das wirkt sich nicht auf die Qualität aus … Die schlechte: Wir müssen länger als gedacht Nase an Nase mit den vielen leeren Flaschen leben.
Unsere neue Preisliste (gültig ab 01.05.) hat uns dementsprechend ein paar zerraufte Haare gekostet. Aber wir finden, dass wir eine gute Lösung gefunden haben, die dafür sorgt, dass wir alle weiter leben und genießen können. Denn das ist ja schließlich das erklärte Ziel.
Und oh, es sind dieses Jahr ein paar köstliche neue Weine dabei … der frisch abgefüllte Chardonnay ist der Favorit unseres Seniorchefs Otmar. Fast schon mediterran mutet er an, mit einer herrlichen Fülle, die das sonnenreiche Jahr 2022 widerspiegelt. Auch der Grauburgunder lohnt sich zu kosten, denn diese Reben lieben die Sonne, und ihre Glücksgefühle aus dem heißen Sommer 2022 sind direkt im Glas gelandet.
In diesem Sinne: Herausforderungen hin oder her … es lebe der Genuss!
Viele Grüße aus der Pfalz
Eure rotierenden
Grafen von Weyher
P.S. Die neuen Preise gelten ab dem 01.05.2023. Bis dahin sind noch die alten Preise gültig – falls auch Ihr Vorräte anlegen möchtet :-).

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